7 Dinge, die dir keiner verraten hat, die du beim Raspbian installieren unbedingt beachten musst.

Autor: Sergej Kukshaus Veröffentlicht: vor 9 monaten Lesedauer: ca. 10 Minuten

Wie oft hast du eigentlich in deinem Leben bereits Windows installiert?

Einmal? Zweimal? Zehnmal?

Dabei läuft das doch immer gleich ab. Du legst die CD in das Laufwerk ein und klickst dich durch die ganzen, bunten Menüs durch.

Am Ende hast du ein fertiges Windows, wo du dir zunächst einmal alle relevanten Sicherheitsupdates und deine favorisierte Software installieren darfst.

Und wie oft hast du ein Linux-System installiert? Dabei spielt es auch zunächst keine Rolle um welches es sich dabei gehandelt hat.

Abhängig vom System funktioniert das ähnlich wie bei Windows. Man legt eine CD ein und dann wird man durch die Menüs durchgeführt.

Alles weitere, kann später mit einem Paketmanager nachinstalliert werden.

Und jetzt kommt die spannende Frage, wie oft hast du den bereits ein Raspbian installiert?

So ein Raspberry Pi hat nämlich kein CD-Laufwerk.

Und eine klassische Festplatte gibt es bei einem Raspberry Pi ja auch nicht.

Schritt 1: Raspbian Installation vorbereiten

Die Raspberry Foundation stellt als Betriebssystem für das Raspberry Pi, Raspbian bereit.

raspbian image download

Raspbian basiert auf Linux – oder genauer gesagt Debian Stretch.

Ich verwende es, weil es das offizielle Betriebssystem der Raspberry Foundation ist und kein proprietäres System, wie z. B. Ubuntu Mate/Core/Server oder PiNet.

Raspbian kannst du direkt auf der unter dem folgenden Link herunterladen:

Raspbian Stretch Download

Achte bitte darauf, dass du die „lite“ Version herunterlädst und nicht die „full“. Diese ist nämlich mit einer Desktopumgebung ausgestattet, die wir aus nachvollziehbaren Gründen natürlich nicht gebrauchen können. Und alles was nicht gebraucht wird, verbraucht unnötigen Speicherplatz 🙂

Logisch, oder?

Als Nächstes benötigen wir noch ein weiteres Tool, um das eben heruntergeladene Betriebssystem überhaupt auf die SD-Karte zu bekommen. Ich verwende hierfür gerne Etcher von balena.

flash raspbian mit etcher

Balena stellt Etcher für Windows, Linux und sogar Mac bereit. Bei den letzteren würde ich jedoch den dd-Befehl empfehlen. Spart man sich ein zusätzliches Tool 🙂

Etcher kannst du hier herunterladen:

balenaEtcher Download

Ein weiteres Tool für Windows, welches du benötigst, ist ein SSH-Client.

Dieser wird benötigt, um den Raspberry Pi auch ohne eigene Tastatur, Maus und Monitor betreiben zu können. So kannst du ihn wirklich irgendwo in die Ecke stellen und einfach nur laufen lassen.

PuTTY Download

Zu guter Letzt benötigst du noch ein Kartenlesegerät für eine microSD-Karte.

Solltest du keins haben und in deinem Bekanntenkreis keinen auffinden können, der sowas hat, kann ich dir dieses Prachtstück ans Herz legen:

Karte rein und schon ist es quasi ein USB-Stick und kann mit Etcher beschrieben werden.

Schritt 2: Raspbian installieren

Die Raspberry Foundation stellt natürlich ebenfalls Informationen bereit, wie du Raspbian installierst.

Raspbian Installationsanleitungen

Ergänzend dazu möchte ich nur mal kurz zeigen, wie einfach es doch tatsächlich mit Etcher sein kann.

Wenn du Etcher gestartet hast und die microSD-Karte eingelegt hast, müsstest du sowas sehen wie hier:

raspbian installieren mit etcher

Klicke jetzt bitte auf „Select image“ und wähle dein zuvor entpacktes Image aus.

Das Entpacken geschieht mit einem handelsüblichen Komprimierung-Programm, wie z. B. meinem Favoriten: 7-Zip.

Prüfe noch einmal nach ob Etcher auch das richtige Laufwerk ausgewählt hat. Du möchtest doch bestimmt nicht deine letzten Urlaubsfotos überschrieben bekommen 🙂

Anschließend ein klick auf „Flash!“ und dann heißt es nur noch, zurücklehnen und abwarten.

raspbian wird mit etcher installiert

Doch was passiert jetzt eigentlich bei diesem Vorgang ganz genau?

Du kannst dir das so vorstellen, dass ein Backup eines Betriebssystems wieder eingespielt wird. Das Image ist also eine relativ frische Konfiguration eines Debians, bloß halt auf den Raspberry angepasst.

Diese Installation (und somit auch alle Daten), hast also nicht nur du, sondern ganz, ganz viele andere Benutzer auch.

Nach einer Weile ist Etcher dann fertig.

Doch bevor wir jetzt richtig loslegen können müssen wir noch das ssh auf unserem Pi aktivieren. Hierzu muss auf der boot-partition (ist sichtbar, wenn du die SD-Karte unter Windows einlesen möchtest) und legst da eine leere Datei mit dem Namen „ssh“ an.

Achtung: Die ssh-Datei darf keine Dateiendung beinhalten.

Und schon kannst du die microSD Karte in dein Raspberry Pi einlegen und davon booten.

Viel einfacher geht es, glaub ich, kaum. Oder?

Schritt 3: Verbindung zum Raspberry Pi herstellen

In der Regel wird ja unser Raspberry Pi ohne Monitor betrieben. Um die Verbindung herzustellen, wird jedoch zwingend die IP benötigt.

Raspberry Pi IP im Router auslesen

Solltest du Zugriff auf den Router haben, mit dem du gerade online bist (z.B. FRITZ!Box), kannst du im DHCP Bereich nachsehen, welche IPs gerade in Verwendung sind.

Meine easybox von Vodafone zeigt mir unter anderem auch den Hostnamen des Rechners an. Noch einfacher geht es wirklich kaum 🙂

Raspberry Pi IP mit den Windows Bordmitteln herausfinden

Wenn du kein Zugriff hast, wird es schon etwas komplizierter die IP herauszufinden. Unmöglich ist es jedoch nicht.

Der Raspberry Pi antwortet nämlich (noch) auf jeden ping. Dies können wir uns zunutze machen.

Hierzu benötigen wir die Windows-Konsole. Ja, Windows hat auch eine Konsole 🙂

Am einfachsten aufzurufen ist die, wenn du die Tastenkombination [Win]+[R] druckst und „cmd“ eingibst.

Jetzt suchen wir noch „mal eben“ ein paar Eckdaten zum aktuellen Netzwerk mit dem folgenden Befehl raus:

ipconfig

Als Ausgabe erhalten wir sowas wie das hier:

Windows-IP-Konfiguration
Ethernet-Adapter Ethernet:
Verbindungsspezifisches DNS-Suffix:
Verbindungslokale IPv6-Adresse . : fe80::d94:f72d:5226:36b0%6
IPv4-Adresse . . . . . . . . . . : 192.168.99.14
Subnetzmaske . . . . . . . . . . : 255.255.255.0
Standardgateway . . . . . . . . . : 192.168.99.1

Die interessanten Werte habe ich in diesem Beispiel fett hervorgehoben.

Diese sagen nämlich aus, dass der RPi im irgendeine Adresse zwischen 192.168.99.2 und 192.168.99.254 hat.

Im nächsten Schritt überprüfen wir welche dieser Adressen überhaupt belegt sind. Dies machen wir wie folgt:

for /L %i in (2,1,254) do ping 192.168.99.%i -n 1 -l 2 -w 42 | find /i "Bytes=" >> Netzwerk.tmp

Dieser Befehl sendet ein ping an den Adressbereich. Jeder ping sendet nur ein Paket (-n 1) in der Größe von 2 Bytes (-l 2) und einem Timeout von 42 Millisekunden (-w 42). Durch diese Optionalen parameter sparen wir uns nämlich ein wenig Netzwerklast und es geht auch ein wenig schneller.

Anschließend schauen wir uns noch alle gefundenen Adressen an:

type Netzwerk.tmp

Wenn der DHCP-Server deines Routers die IPs schön chronologisch vergibt, dann musst du nur noch auf den letzten Eintrag achten und schon hast du die IP.

Wenn dein DHCP die IP-Adressen jedoch wahllos vergibt, bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als alle möglichen IPs auszuprobieren.

Glücklicherweise sollten nicht allzu viele Clients in deinem Netzwerk den SSH Port offen haben, sodass die Chance trotzdem sehr hoch ist den richtigen RPi zu finden 🙂

Hast du die IP-Adresse herausgefinden, kannst du dich wahlweise mittels PuTTY oder Konsole mit den RPi verbinden:

ssh pi@192.168.99.15

Die IP ist bei dir natürlich anders und muss entsprechend angepasst werden. Vor dem @ steht übrigens der Benutzername.

Die Standardbenutzerdaten für Raspbian sind übrigens wie folgt:

Benutzername: pi
Passwort: raspberry

Schritt 4: Benutzer ändern

Wie waren noch einmal die Zugangsdaten für den Raspberry Pi?

Also die Standarddaten sind doch Grütze, oder? Weder der Benutzer, noch das Passwort kann man in die Tonne kloppen. Schon allein deswegen, weil die allgemein bekannt sind.

Aus diesem Grunde wird ein neuer Benutzer erstellt und der Standardbenutzer einfach gelöscht.

Denk dir einen spannenden Namen aus, ich wähle an dieser Stelle „ByteBee“ als meinen neuen Hauptbenutzer 🙂

$ sudo adduser bytebee
Adding user `bytebee' ...
Adding new group `bytebee' (1001) ...
Adding new user `bytebee' (1001) with group `bytebee' ...
Creating home directory `/home/bytebee' ...
Copying files from `/etc/skel' ...
Enter new UNIX password:C00!esPasW0rd
Retype new UNIX password:C00!esPasW0rd
passwd: password updated successfully
Changing the user information for bytebee
Enter the new value, or press ENTER for the default
Full Name []: Sergej Kukshaus
Room Number []:[Enter]
Work Phone []:[Enter]
Home Phone []:[Enter]
Other []:[Enter]
Is the information correct? [Y/n] [Enter]

Um alle Daten von „pi“ zu übernoemmen, können wir diese noch in das eigene home verzeichnis kopieren:

$ sudo cp -R /home/pi/. /home/bytebee
$ sudo chown -R bytebee /home/bytebee

Damit der neue Benutzer auch als superuser (sudo) interagieren kann, muss er dem System als solcher angegeben werden. Hierzu wird her in die sudo Gruppe hinzugefügt und auch in die sudoers eingetragen.

$ sudo usermod -aG sudo bytebee
$ sudo visudo

Jetzt können wir in der letzten Zeile folgendes hinzufügen:

includedir /etc/sudoers.d bytebee ALL=(ALL) NOPASSWD: ALL 

UPDATE: 05. 12. 2019

Sollte es hier Probleme geben, kann die Datei ‚ /etc/sudoers.d‘ auch direkt mit nano geöffnet werden und der Benutzer pi durch den eben erstellten Benutzer geändert werden. (Danke an Michael)

Anschließend muss noch das System neugestartet werden. Nach dem Neustart, kannst du dich direkt als der neue Benutzer anmelden.

Um zu überprüfen, ob alles soweit geklappt hat, kannst du mal folgenden Befehl ausführen:

$ sudo ls -la /root

Normalerweise hat man hier kein Zugriff. Es sei den, man ist gerade rein zufälligerweise der root 🙂

Der Benutzer „pi“ ist ab jetzt nur noch Ballast, von dem wir uns befreien müssen.

$ sudo userdel pi

Die einfachste Art und Weise um zu Überprüfen ob, der weg ist, ist in der passwd nachzusehen:

$ cat /etc/passwd | cut -d: -f1

Hier sollte jetzt kein pi mehr auftauchen.

Schritt 5: System aktualisieren & Ballast abwerfen

Das Image wurde gerade erst heruntergeladen, aber trotzdem ist es schon ein paar Wochen alt. In der Zwischenzeit könnten ja auch ein paar neue Pakete veröffentlicht worden sein.

Um uns davon zu überzeugen, dass dies nicht der Fall ist, führen wir folgende Befehle nacheinander aus:

$ sudo apt update 
$ sudo apt upgrade

Nachdem wir uns davon überzeugt haben, dass wir uns bei der Annahme geirrt haben, prüfen wir noch, ob die Raspbian Foundation wirklich alles weggelassen hat, was irgendwie im Entferntesten mit einer Gui zu tun hat:

$ sudo apt -y remove cups*
$ sudo apt -y remove gnome*
$ sudo apt -y remove x11-common*
$ sudo apt -y autoremove

Bei mir war hier alles i.O. 🙂

Schritt 6: Raspbian konfigurieren

Ja, ich weiß. Das machen wir schon die ganze Zeit 🙂

Die Raspberry Foundation stellt da jedoch noch ein zusätzlichen Befehl bereit:

$ sudo raspi-config

Da kommen wir in das folgende Menü rein:

raspi-config nach einer raspian installation

Auch wen die GUI es vermuten lässt, haben wir hier immer noch keine Maus-Unterstützung und müssen mit der Tastatur arbeiten 🙂

Gehen wir mal kurz die Schritte durch:

1. Change User Password
Ne, wir haben ja bereits einen neuen Benutzer mit einem super sicheren Passwort angelegt 🙂

2. Network Options
Hier können wir unter dem Unterpunkt (N1) den Hostnamen in etwas Sinnvolles abändern. Ich für mein Teil wähle hier „jupiter-pi“ 🙂

Im Unterpunkt (N2) können wir noch das Land für das WiFi angeben.

Wenn man es nicht auf Deutschland setzt, könnte es passieren, dass man später Probleme mit dem WLAN bekommt.

War bei mir jedenfalls so 🙁

3. Boot Options
Hier ist soweit alles in Ordnung.

4. Localisation Options
Optional kannst du hier unter (I1) die Deutschen Schriften (bspw. für Sonderzeichen) mitnehmen. Was du auf jeden Fall machen solltest, ist die Zeitzone (I2) auf Europe/Berlin umstellen.

5. Interface Options
Diese können auch so belassen werden

6. Overclock
Geht zum Glück nicht mehr (bei mir jedenfalls nicht)

7. Advanced Options
Um die komplette SD-Karte zu nutzen, solltest du hier die option (A1) Expand Filesystem durchführen.

8. Update
Hatten wir bereits unter Schritt 5 selber gemacht

9. About raspi-config
–> no-comment 🙂

Das ist jetzt ein guter Zeitpunkt um das System neuzustarten.

$ sudo reboot

Schritt 7: SSH richtig aktivieren

Wie schon erwähnt, handelt es sich hier um eine eins zu eins Kopie eines anderen Systems. Um eine Verbindung über SSH herzustellen, wird zur Identifizierung ein schlüssel benötigt. Dieser ist auf jedem Raspberry zunächst gleich.

Also müssen wir diesen unbedingt ändern, dies geschieht wie folgt:

# Es werden vorhandene Dateien gelöscht
$ sudo rm /etc/ssh/ssh_host_*
# Der SSH-Server wird mit einem neuen Schlüssel neu konfiguriert
$ sudo dpkg-reconfigure openssh-server
# SSH startet bei Systemstart
$ sudo systemctl enable ssh
# Und jetzt auch noch einmal
$ sudo systemctl start ssh

Fazit

Fassen wir mal kurz zusammen, was du so alles machen musst, wenn du Raspbian installieren möchtest:

  • Besorge dir eine passende microSD-Karte.
  • Lade dir Raspbian lite in der aktuellen Version herunter.
  • Entpacke das Image.
  • Kopiere das Image auf die microSD-Karte mittels Etcher.
  • Verbinde dich mit dem Raspberry Pi über SSH.
  • Lege einen neuen Benutzer an und markiere ihn als Superuser.
  • Lösche den Standardbenutzer pi.
  • Aktualisiere dein System.
  • Entferne unnötige Pakete.
  • Führe Standardkonfigurationen durch (raspi-config)
  • Ändere den SSH Fingerprint

Nachdem dies erledigt wurde, kümmern wir uns als Nächstes um das Netzwerk. Hierbei müssen wir natürlich auch etwas beachten. Vor allem, weil wir mit sage und schreibe vier Netzwerkschnittstellen arbeiten müssen.

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2 Kommentare
5. Dezember 2019 17:16

includedir /etc/sudoers.d bytebee ALL=(ALL) NOPASSWD: ALL

Der Befehl funktioniert so nicht. Im Verzeichnis /etc/sudoers.d/010_pi-nopasswd wird der User pi mit sudo bedient.
Einfach die Datei mit vi öffnen und pi mit dem gewünschten User ersetzen. Das schaut dann so aus:
User ALL=(ALL) NOPASSWD: ALL
Ansonsten ist dein blog schön geschrieben.

5. Dezember 2019 20:20

Hallo Michael,

danke für das Feedback 🙂

Es kann sein, dass bei debian in der neueren Version mal wieder etwas geändert wurde. Muss ich mal überprüfen. Beim Zeitpunkt des Erstellens des Artikels haben die hier genannten Befehle in der beschriebenen Reihenfolge noch wunderbar funktioniert und wurden mehrfach getestet 🙂

Ich werde das als Tipp jedoch in den Beitrag aufnehmen. Danke dafür.

Gruß
Sergej

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