Wenn ich kein Geld habe, darf ich Software raubkopieren?

Autor: Sergej Kukshaus Veröffentlicht: vor einem monat Lesedauer: ca. 1 Minuten

Diese Frage habe ich neulich tatsächlich während eines Berufsfelderkundungstages von einem Schüler gestellt bekommen.

Ich war erstaunt. Erstaunt über die heutige „Denke“ der Jugendlichen. Obwohl ich denke, dass es nicht nur die Jugendlichen sind, die so denken.

Als Softwareentwickler ist das quasi ein „Schlag in die Fresse“. Man möchte die Leistung aber ohne Gegenleistung.

Wenn man bedenkt, dass der Berufsfelderkundungstag in einer Softwarebude stattfand, wird das noch paradoxer.

Der junge Mensch – ggf. angehender Softwareentwickler – war bereit unentgeltlich zu arbeiten.

Schau dir doch mal die schlimmsten Opfer dieser Denke an. Adobe und Microsoft. Es gibt wohl keine Software, die nicht öfter raubkopiert wurde als Windows und Photoshop.

Beide Produkte beeindrucken jedoch durch einen immensen Ausmaß von Komplexität. Wie viel Entwicklungszeit in diesen Produkten steckt, ist wahrscheinlich nicht mehr zusammenzurechnen.

Schon einmal auf dem Weihnachtsmarkt gewesen? Da möchte eine Tante für eine selbstgenähte Kindermütze (mit etwas Übung innerhalb von einer halben Stunde machbar) bereits 15 Euro haben.

Eine Schachtel Zigaretten kostet aktuell (soweit ich weiß) zwischen 7 und 15 Euro. Und die Kippen werden mehrfach wöchentlich gekauft.

Aber keine 13 Euro für eine Photoshop Lizenz übrig haben? Unverzeihlich!

Es würde doch auch keiner auf die Idee kommen:

„Ich möchte ein Porsche fahren, hab aber kein Geld dafür. Ich klaue jetzt direkt beim Hersteller eins. Der hat eh genug davon und wird es nicht merken.“

Nein, stattdessen fährt man ein Corsa.

Und wer jetzt sagt: „Sergej, dass kannst du vergleichen“ oder „Das ist nicht dasselbe“, doch ist es. Man möchte Leistung ohne Gegenleistung. In meinen Augen ist das Diebstahl. Ist ja nicht so, als ob Windows, Photoshop oder auch der Porsche verschenkt werden würden.

Wenn man also kein Geld für Software hat, weicht man auf kostenlose und legale Alternativen aus:

  • Linux statt Windows
  • LibreOffice statt Microsoft Office
  • GIMP statt Photoshop
  • Visual Studio Community statt Professional
  • etc. pp.

So, das war meine Meinung zum Thema Raubkopieren. Ich hoffe, ich konnte jemanden zum Nachdenken anregen.

So long,
Euer Sergej

2 Kommentare
Thomas
27. Dezember 2019 21:10

Lieber Sergej,
ich teile deine Meinung, dass es ein stärkeres Bewusstsein zum Thema Lizenzen, deren Strafbarkeit und Auswirkungen geben sollte.
Ich finde aber das in diesem Vergleich Adobe und Microsoft die beide Ihre Kernprodukte nicht selbst entwickelt, sondern nur „billig“ eingekauft und teuer weiterverkauft (auch weiterentwickelt) haben, besser und hochwertiger wären als es die ganze OpenSource Gemeinschaft ist!
Mehrheitlich des Internet läuft auf Linux und Opensource Basis und sind damit nicht vom Gewinn Gleichwertig mit den genannten Firmen, dafür aber bei weitem wertvoller, da die Opensource Gemeinschaft jedem egal wie Reich oder Arm er ist eine Chance bietet und somit für Chancengleichheit sorgt, was es in Deutschland leider nicht in der Realität gibt. Microsoft und Adobe wiederum Verdienen Millionen trotz der vielen Raubkopien die es gibt.
Man könnte auch betonen wie Microsoft damals dafür gesorgt hat das sie Ihre Marktmacht behalten oder wie viel Lobbyarbeit in diesem Konzern betrieben wird und wie moralisch legitim diese Tatsachen sind?
Aus meiner Sicht sind ist der Opensource Bereich wertvoller und viel nachhaltiger als der Kommerzielle Bereich, da mal gemeinsam viel effizienter sein kann wenn man sein Wissen teilt.
Wenn du Microsoft mit Porsche vergleichst, dann sollte es auch entsprechende Vergleich im Opensource Bereich geben. Dann könnte man z.B. die Linux mit Luft vergleichen. Niemand bezahlt dafür aber jeder nutzt es. Wenn es aber nicht da wäre würde mit ein mal alles zusammenbrechen.
Wenn Porsche pleite geht, kann man hingegen immer noch weiter atmen.

28. Dezember 2019 18:40

Hallo Thomas,

erst einmal vielen Dank für deinen Kommentar.

Allerdings hast du mich – glaube ich – etwas missverstanden. Keinesfalls ist bzw. war es meine Absicht OpenSource hier im schlechten Licht dastehen zu lassen.

Es gibt sehr viel Software, die aus dem OpenSource Bereich kommt. Diese Software ist sogar so gut, dass es sich nicht lohnt eine kommerzielle Konkurrenz aufzubauen.

Auch wird in kommerzieller Software OpenSource verwendet. Oder denkst du, dass man im kommerziellen Bereich nicht auf Frameworks wie Ninject oder JSON.Net zurückgreift?

OpenSource-Software ist in den meisten Fällen sehr gut geschrieben. Der Quellcode ist sehr gut. Was ja auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, wer OpenSource Produkte schreibt. Es sind in den meisten Fällen sehr gute Entwickler, die nach Feierabend noch etwas weiter entwickeln möchten, jedoch als Ausgleich zu der eigentlichen Arbeit mal etwas anderes. Und wer programmiert kommerzielle Software? In den meisten Fällen Programmierer mit weniger Berufserfahrung.

Jedoch haben kommerzielle Produkte einen riesigen Vorteil. Es existieren Anforderungen. Und mit Anforderungen, meine ich echte Anforderungen. Solche, die unmissverständlich formuliert und auch fundiert sind. Etwas, was der Markt wirklich braucht.

Schau dir doch mal bitte als den OpenSource Konkurrenten von Photoshop an. „The GIMP“. Ganz ehrlich, mich würden keine 100 Pferde dazu zwingen GIMP zu verwenden. Auf der anderen Seite, gibt es viele Alternativen zum Acrobat Reader auf dem OpenSource Markt, die sehr viel besser sind.

Dein Vergleich mit Linux und Luft teile ich mit dir nur bedingt. Ohne Linux würde es auch funktionieren. Zwar nicht so gut, aber es würde gehen.

Ich finde, Linux ist ein perfektes Beispiel für OpenSource. Es ist von Nerds, für Nerds entwickelt worden, nicht für die breite Masse. Deswegen kommt ein System-Administrator mit auch Linux besser klar als mit der Windows-Server-Krücke. Linux ist für Server gedacht. Windows für Desktop.

Ein Jeder Nerd kommt mit Linux sofort zurecht. Ein Ralf Schulze von der Straße jedoch nicht. Es ist einfach nicht Benutzerfreundlich. OpenSource ist funktional. Man kann damit viel erreichen, teilweise sogar mehr als mit kommerzieller Software. Jedoch teilweise viel umständlicher.

Und bevor sich noch einmal jemand auf den Schlips getreten fühlt. Wir sind Entwickler. Wir haben keine Ahnung, wie man Anforderungen für die breite Masse formuliert. Wir haben keine Ahnung, was der User benötigt. Aber das müssen wir auch nicht. Dafür gibt es andere Menschen, die sich den ganzen Tag nur damit beschäftigen. Wir haben dafür auch keine Zeit. Wir können gute Software Entwickeln. Das ist unsere Kernkompetenz.

Liebe Grüße
Sergej

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